15. August – Kräuterbuschen und Frauendreißiger

Gedanken zur Kräuterweihe

Wir sammeln Kräuter
und trocknen sie.

Wir sammeln Gedanken
und trocknen sie.

Wir sammeln Worte
und trocknen sie.

Wir sammeln Träume
und trocknen sie.

Wir dürfen nur nicht vergessen,
wo wir sie zum Trocknen
hingelegt haben,

damit wir sie wiederfinden,
wenn wir sie brauchen.

(Text von Ute)

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Heute nach der Arbeit war ich am Wald- und Wiesenrand, um Blüten für den Kräuterbuschen zu sammeln. Nach der wochenlangen Trockenheit im Juni und Anfang Juli hat der Regen, der hin und wieder gefallen ist, die Wiesen wieder bunt gemacht: es blühen Weidenröschen und Klee, Bibernelle und Wiesenbärenklau. Die Scharfgarbe ist kräftig und ihre weißen Blüten dominieren, ihr hat die Hitze nicht geschadet. Die Goldrute schimmert goldgelb und das Johanniskraut hat die zweite Blüte. Malve steht mit Beifuß am Weg, daneben der Frauenflachs mit seinen buttergelben Blüten. Der Bärwurz ist schon ausgesamt und hat wieder frische Triebe. Und das Traubenkopfleimkraut wiegt seine Blüten im Abendwind.

Ich liebe diese Sommerabende. Die Sonne steht jetzt schon tiefer, die schwarzen Brombeeren und die Holunderdolden, die langsam dunkler werden und die Vogelbeeren, die sich rot färben, sind die Vorboten des Herbstes.

Der Frauendreißiger beginnt: er bezeichnet die Zeit zwischen den Festen Maria Himmelfahrt am 15. August und Mariä Namen am 12. September. Der Ursprung dieser Feste liegt in der Erfahrung, dass die Kräuter sind nun besonders heilkräftig sind. Von den Sommerfesten der Kelten und Germanen, bei denen Mutter Erde für die erste Ente gedankt wurde, über später Maria Himmelfahrt, wo bei den Christen bis in die heutige Zeit die Kräutersträuße in den Kirchen geweiht werden, ist diese Zeit voller Kraft der Spätsommersonne.

Ich habe einen Strauß gebunden, ganz zufällig mit 24 verschiedenen Kräutern. Er wird getrocknet und hängt dann in meiner Kräuterstube unterm Dach, in der Dachspitze. Einfach um das Auge zu erfreuen. Zur Erinnerung an die kraft des Sommers und der Sonne. Manchal werden ein paar Kräuter im Tee aufgebrüht, hin und weider ein paar verräuchert.

Typische Kräuter sind Alant, Echtes Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Kamille, Thymian, Baldrian, Eisenkraut, die Labkräuter und die verschiedenen Getreidesorten. In manchen Regionen wurden in die Kräuterbuschen so viele Alantblüten eingebunden, wie Menschen, Kühe und Pferde auf dem Hof lebten. Der Tee aus diesen geweihten Kräutern sollte besonders heilsam sein. Krankem Vieh wurden geweihte Kräuter ins Futter gemischt oder man warf zum Schutz vor Blitzschlag beim Gewitter Kräuter aus dem Buschen ins offene Feuer.

In ländlichen Gebieten Deutschlands sind für die heute gebräuchliche Bezeichnung Kräuterstrauß (-busch) noch ältere Namensgebungen aus den regionalen Dialekten bekannt. So ist in der Eifel und an der Untermosel der Kräuterstrauß ein Wisch. Denn ursprünglich war in dieser Region der Beifuß das wichtigste Kraut in dem Gebinde. Die alte Bezeichnung Wisch und Wischkraut für Beifuß war daher möglicherweise der Namensgeber für Gebinde aus Kräutern und Gräsern, die in der Küche und auch im Kuhstall (mit Pech bestrichen) gegen Koliken zur Anwendung kamen.

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Das Gedicht im Eingang dieses Beitrags habe ich auf der Seite eines Seelsorgers gefunden. Es hat mich tief berührt, genau so wie der Moment, als ich vor vielen Jahren an Maria Himmelfahrt zur Mittagszeit in der Kathedrale von Palma stand: die Kirche voller Blumen, Menschen und Weihrauchduft. Auf einmal hüllte ein Sonnenstrahl, der durch das riesige bunte Bleiglasfenster auf den Marienaltar in der Apsis traf, in ein schillerndes Licht, mein kleiner Sohn drückte ganz fest meine Hand und flüsterte: „Mami, schau doch mal.“ Und für einen magischen Moment stand die Zeit still.

Ich wünsche euch einen wundervollen Spätsommer.

Eure Birgit

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