Huflattich – ein Frühlingsbote

Heute Vormittag war ich im Wald. Es war regennass und für eine Weile blitzten Sonnenstrahlen durch die Wolken. Und dann sah ich die erste strahlend gelbe Blüte des Fühjahrs im Laub leuchten: die erste Huflattichblüte. Die kleine Sonne am Boden zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht.

Huflattich – Tussilago farfara  ist aus dem lateinischen tussis = Husten und agere = vertreiben unter Hinweis auf die Verwendung der Pflanze als Hustenmittel gebildet. In der Zusammenziehung „farfara“ aus dem lateinischen far = Mehl und ferre = tragen kommt der unterseitige weiße Haarüberzug der Blätter zum Ausdruck. Der erste Bestandteil des Namens Huflattich bezieht sich auf den hufähnlichen Umriß der Blätter. Dagegen hat der zweite Teil nichts mit Lattich zu tun, sondern gehört zum mittellateinischen lapatium, das verschiedene großblätterige Pflanzen bezeichnete.

Er gehört wie der Löwenzahn und das Gänseblümchen zu den Korbblütlern.

Am Wochenende und bei Regenwetter nehme ich auch gern mal ganz alte Kräuterbücher in die Hand oder auf den Monitor. Unsere Vorfahren hatten oft andere Bezeichnung für die Pflanzen.

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Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Pflanze vor 200 Jahren noch Rosshuf oder Brantlattich genannt wurde? Ich finde es immer sehr spannend, über alte Anwendungen zu schmökern –  und mit etwas Geduld und Übung liest man sich auch in uralte Texte ein.

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Huflattich war nicht nur ein Hustenmittel, er wurde auch für Frühjahrskuren verwendet, um Blut, Niere und Lymphe zu reinigen. Die Blätter, die sich in ein paar Wochen zeigen, wurden zur Auflage bei Entzündungen, Schwellungen und Verstauchungen.

Auch im Haushalt leisteten die großen Blätter zum Einwickeln von Butter oder Brot gute Dienste.  Der flaumige Filz auf der Unterseite der Blätter wurde abgeschabt und als Zunder beim Anfachen des Feuers verwendet. Von Schottland ist überliefert, dass die seidigen Samen als Kissen- und Matrazenfüllung in Gebrauch waren.

Eine sinnvolle Verwendung bei gemeinsamen Waldtouren lernte ich von meinem Opa (damals interessierten mich Heilanwendungen und Kochen noch nicht): Als Wanderers Klopapier waren uns die Blätter sehr nützlich – und zudem weich ;).

Wie schön, dass ihr mich auf eine Reise in die Vergangenheit mit dem Huflattich begleitet habt. Und vielleicht erinnert ihr euch daran, wenn ihr beim nächsten Spaziergang die stahlend gelben Blüten oder die hufähnlichen Blätter entdeckt. Wenn ihr den Blattstängel abschneidet, hat auch der einen hufähnlichen Umriss und die Wasserleitbahnen sind ebenmäßig wie Hufnägel im Hufeisen angeordnet.

Ich finde es bewundernswert, wie Beobachtungen in die Namensgebung eingeflossen sind und nehme mir gern die Zeit, die Wunder der Natur zu erkunden.

Eure Birgit

 

 

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